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Schwein

Jeder Ferkelerzeuger hat sich mit mehr oder weniger hohen Ferkelverlusten auseinanderzusetzen. Ausfälle in Höhe von 16 bis 18% sind nicht selten! Ca. 80% der Saugferkelverluste treten in der ersten Woche auf, beinahe zwei Drittel davon während der ersten drei Tage. Nicht selten sind Durchfälle die Ursache.
Derjenige, der bei gleichen Kosten ein paar Ferkel mehr absetzen kann, darf sich zu den Gewinnern zählen.

Neugeborene Ferkel verfügen natürlicherweise über nur geringe Energiereserven (Glykogen, Fett). Sie bedürfen nach dem Wechsel von uterinem Milieu zu „kalter Außenwelt“ schnellstmöglich energiereicher Nahrung. Immer höhere Zahlen an lebend geborenen Ferkeln in den letzten Jahren und dadurch eine oft vorkommende nur unzureichende Milchmenge (teilweise auch durch MMA-Komplex verursacht) führen dazu, dass nicht alle Ferkel ausreichend mit Sauenmilch versorgt werden. Energiemangel verursacht Hypoglykämie. Diese führt zu einer Störung des Saug- und Nahrungsaufnahmeverhaltens, damit zu allgemeiner Schwäche und eventuell zum Exitus. Auch die Versorgung mit Vitaminen ist in keiner Weise gewährleistet. Gerade sie werden in Stresssituationen (Umstallen, Futterwechsel, Transport, Impfung, Krankheit, Klimaschwankungen) in höherem Maße benötigt. Vitaminmangel führt zu schlechterer Konstitution der Tiere und damit zu schlechterem Wachstum, was sich später in geringeren Mastleistungen und schlechteren Zuchterfolgen / Fortpflanzungsraten niederschlägt.

Warum sind Ferkel so anfällig für Durchfall erregende Keime?
Ferkel werden ohne eigene Immunabwehr geboren, da bedingt durch einen anderen Aufbau der Plazenta nicht wie beim Menschen schon im Mutterleib Antikörper übertragen werden können. Sie sind daher auf eine möglichst schnelle Verabreichung von Immunglobulinen aus dem Kolostrum angewiesen. Diese "passive Immunisierung" hilft aber nur kurzfristig, da nach einigen Stunden erstens die Antikörperkonzentration im Kolostrum sinkt und zweitens die Durchlässigkeit der Darmwand abnimmt. Das Ferkel muss nun seine eigene – aktive – Immunität nach Auseinandersetzung mit den vorkommenden Krankheitserregern aufbauen. Hierzu gehören unter anderem:



Da die passive Immunität aus dem Kolostrum jedoch schneller abnimmt als die aktive Immunität aufgebaut ist, kommt es nach der ersten Immunitätslücke kurz nach der Geburt (vor der ersten Aufnahme von Kolostrum) zu einer zweiten nach ca. 4-6 Wochen, wenn der passive Schutz abgebaut, der aktive aber noch nicht aufgebaut ist.
Diese beiden Lücken entstehen schon, wenn alles „normal“ verläuft. Bei zu geringer Menge an Kolostrum oder zu später Verabreichung (Geburtsschwierigkeiten, MMA-Komplex, Managementfehler), bei zu niedrigem Antikörpergehalt des Kolostrums (zu kurze Adaptationsphase bei Zukaufssauen) hat das Ferkel noch weit schlechtere Startbedingungen. Kommt jetzt noch Stress durch Umstallen, Futterumstellung etc. dazu, finden die pathogenen Keime ideale Bedingungen vor, um sich im Körper anzusiedeln.